#34erSaison
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Etappe 02 · Heimspiel

Leipzig – 90 Minuten von der Abstiegsangst zur Europareise

Werder Bremen – RB Leipzig 3:1

Sa., 05.09.2026 Weserstadion, Bremen Anpfiff 15:30 Uhr 39.713 Zuschauer (ausverkauft)

Vor dem Anpfiff hätte ich für einen Punkt unterschrieben. Nach dem Abpfiff habe ich meine Europarundreise geplant.

Dazwischen lagen 90 Minuten, in denen mein Saisonziel zweimal die Etage gewechselt hat.

Trikot-Rücken mit der Aufschrift CYBERSOCCER 34 und #34erSaison vor der Blockfahne der Ostkurve im Weserstadion.
Das Motto der Kurve und das Motto der Saison in einem Bild.
Vor dem Anpfiff

Die Erwartung: Außenseiter mit Restoptimismus

Ich hatte im Transfermarkt-Forum vor dem Spiel geschrieben, dass ein Sieg gegen Leipzig eine faustdicke Überraschung wäre. Das nehme ich zurück – aber nur ungern, denn dieser Irrtum war der angenehmste seit Langem.

An einen so eindeutigen Sieg habe ich keine Sekunde geglaubt, meine Hoffnung war grundsätzlich ein Unentschieden. Verletzte gab es auf beiden Seiten, das gleicht sich über eine Saison aus. Was sich nicht ausgleicht: erst Freiburg auswärts, dann Leipzig zu Hause. Schlechter kann man sich den Start in eine 34er Saison kaum einteilen – und eingeteilt habe ihn nicht ich, sondern die DFL.

Vor dem Anpfiff standen mir jedenfalls die Haare zu Berge. Bei mir ist das kein Bild, sondern eine Frisur….

Riesige Blockfahne über der Ostkurve im Weserstadion mit den Worten „Kämpfen Siegen“ vor dem Anpfiff.
„Kämpfen. Siegen.“ – die Ostkurve vor dem Anpfiff.
Anpfiff 15:30 Uhr

Das Spiel: dasselbe Wappen, eine andere Mannschaft

Und dann, mit dem Anpfiff, stand da eine Mannschaft auf dem Platz, die mit der aus Freiburg nur das Wappen gemeinsam hatte. Nicht taktisch, nicht spielerisch, sondern vom Willen und vom Auftreten her – und das sieht man von der Tribüne aus sofort, so wie man auch sofort sieht, wenn es fehlt. In Freiburg hat es gefehlt.

Nach vier Minuten führte Werder. Eren Dinkçi, nach einer Balleroberung von Olivier Deman, und das Ganze ging so schnell, dass ein Teil des Stadions den Treffer erst am Jubel bemerkt hat.

Danach hatte Leipzig den Ball – zeitweise um die 70 Prozent Ballbesitz – und Werder hatte die Ordnung. Zur Pause stand es immer noch 1:0, was für Bremer Verhältnisse eine Form von Luxus ist. In der 68. Minute köpfte Niclas Füllkrug nach einer Ecke von Marco Grüll zum 2:0 ein, in der 80. Minute machte Grüll das 3:0 selbst.

Und wer Werder länger verfolgt, weiß, was so ein Eckball-Treffer bei uns bedeutet. In der vergangenen Saison hat bis zum 25. Spieltag keine einzige Ecke ein direktes Tor gebracht – erst gegen Union Berlin im März fiel der Bann. Ob das je ein Bundesligarekord war, weiß ich gar nicht; angefühlt hat es sich jedenfalls so.

Der einzige Schönheitsfehler kam in der fünften Minute der Nachspielzeit: Ridle Baku zum 3:1. Ein Heimspiel zu Null zu gewinnen wäre halt noch das i-Tüpfelchen gewesen, und das ist mir auf den letzten Metern abhandengekommen. Beschweren möchte ich mich trotzdem nicht, obwohl es doch eigentlich schon vom Stil dazugehört.

Wer das Spiel in Zahlen nachlesen will: der Spielbericht bei Transfermarkt.

Business-Bereich · Block N2

Der Mensch der Etappe: mein Bruder Thomas

Eigentlich sollte meine Mutter mitkommen. Sie musste kurzfristig absagen, und mein Bruder Thomas ist eingesprungen – gemeinsam mit seinem Sohn und meinem Neffen Jonathan. Wir saßen im Business-Bereich; ich habe dort drei Karten, von denen in der Regel zwei für Gäste frei sind. Meine beiden anderen Neffen waren ebenfalls im Stadion, auf anderen Plätzen.

Meine Mutter kommt bei einem der nächsten Spiele mit, dann stelle ich sie hier vor. Sie ist immerhin einer der Gründe, warum ich überhaupt Fußballfan geworden bin.

Matthias Seidel mit seinem Bruder Thomas und seinem Neffen Jonathan auf den Plätzen im Business-Bereich des Weserstadions.
Kurzfristig eingesprungen: mein Bruder Thomas und mein Neffe Jonathan.

Thomas hat sich gefreut und sich gleichzeitig geärgert, weil er abends noch eine Verabredung hatte und deshalb zur Halbzeit aus dem Stadion musste. Genau deswegen wollte er ursprünglich lieber ganz absagen. Damit war er an diesem Nachmittag der Einzige, der vorzeitig ausgewechselt wurde – auf eigenen Wunsch und mit dem denkbar schlechtesten Timing. Beide Bremer Tore der zweiten Halbzeit hat er nicht mehr gesehen.

Dabei ist er derjenige, mit dem das alles angefangen hat, und er hat einen erheblichen Anteil daran, dass ich überhaupt Werder-Fan geworden bin – und zwar in genau dieser Intensität. Wir gehen seit frühester Kindheit gemeinsam ins Stadion, und als Halbstarker hat er seinen kleinen Bruder immer wieder mitgenommen, obwohl das keine Selbstverständlichkeit ist.

Später war er einer der wirklich allerersten User auf Transfermarkt und über Jahre einer meiner wichtigsten Ratgeber. Nicht, weil er von Fußball mehr Ahnung hatte 😉, sondern weil er die Seite konsequent als Fan gelesen hat und nicht als Betreiber. Diese zweite Meinung war oft mehr wert als jede Auswertung.

Dass jetzt sein Sohn danebensitzt, hat den Sieg natürlich noch besser gestaltet. Außerdem konnten wir auf meiner neuen Spaß-App Beerhop unsere Biere posten….

Bierbecher in der Hand vor den Rängen und dem Rasen des Weserstadions.
Der Beleg für Beerhop.
Ostkurve · Vor und nach dem Spiel

Die Kurve: „Auf geht’s Werder! Kämpfen und siegen“

Die Ostkurve hatte vor dem Anpfiff eine Blockfahne über den halben Rang gezogen, auf der in großen Buchstaben genau zwei Wörter standen: KÄMPFEN SIEGEN. Also exakt der Schlachtgesang, den ich die ganze Woche vor mir hergesummt habe:

„Auf geht’s Werder! Kämpfen und siegen“

Auf meinem Foto steht mein Trikot-Rücken mit CYBERSOCCER 34 und #34erSaison direkt davor.

Nach dem Abpfiff hat sich die Mannschaft bei der Kurve bedankt und die Kurve hat die Mannschaft gefeiert. Ich habe zum ersten Mal in dieser Saison „Oh wie ist das schön“ laut mitgesungen, und Textsicherheit war an diesem Tag nun wirklich keine Herausforderung.

Spieler der Etappe

Grüll: Standardware in bester Qualität

Marco Grüll hat großartig gespielt: ein Tor, eine Vorlage per Ecke und über 90 Minuten der auffälligste Bremer auf dem Platz. Niclas Füllkrug nannte ihn hinterher „überragend“, Trainer Daniel Thioune sprach von einem „Top-Top-Top-Spiel“. Grüll selbst hat es auf die Arbeit an den Standards und auf Olivier Deman geschoben – schön, wenn einer nach so einem Nachmittag auch im Interview noch abspielt.

Damit ist er ab sofort auch mein Lieblingsspieler. Uneigennützig ist das natürlich nicht, denn ich habe ihn im Transfermarkt-Managerspiel im Kader.

In Freiburg hat mir das Managerspiel Punkte gebracht, die ich gar nicht haben wollte – Suzukis Dreierpack ausgerechnet gegen Werder. Diesmal zeigten Herz und Punktekonto in dieselbe Richtung, und das ist die deutlich angenehmere Variante.

Nach dem Abpfiff

Die Reiseplanung

So funktioniert Fußball. Nach Freiburg hatte ich die Abstiegssaison innerlich schon durchgeplant und mich immerhin damit getröstet, dass ich mir als Fan nichts vorzuwerfen habe, weil ich ja ohnehin alle 34 Spiele sehe – ob sie mir gefallen oder nicht.

Nach Leipzig plane ich die europäischen Plätze und damit meine erste Europareise. Werder wird also mindestens Sechster, wenn nicht sogar Vizemeister…. 😉

Nach zwei Spieltagen ist das ungefähr so seriös wie eine Meisterfeier im August. Aber genau dieses Hin und Her – Weltuntergang am Sonntag in Freiburg, Europapokal am Samstag in Bremen – ist der Grund, warum wir das alle machen.

Etappe 02 · Bilanz

Fazit

Nach dem Abpfiff bin ich direkt nach Hause, glücklich und zufrieden und mit einem Saisonziel, das innerhalb einer Woche zwei Stockwerke nach oben gezogen ist.

Etappe 01 war eine Bahn-Odyssee mit sportlichem Fehlstart, Etappe 02 war das Gegenprogramm: kurzer Weg, volles Haus, ein Sieg gegen den Favoriten, Familie im Stadion und eine Kurve, die nach dem Spiel noch stand. Von 34 sind das erst zwei, aber langweilig wird diese Saison offensichtlich nicht.

34 Spiele. Eine Saison. Wieder nur Fan.

Die Werder-Mannschaft steht nach dem Abpfiff vor der feiernden Ostkurve mit grün-weißen Fahnen im Weserstadion.
Nach dem Abpfiff: die Mannschaft vor der Ostkurve.
Wiederkehrend

Die drei Formate dieser Etappe

Die Zahl der Etappe
90+5 – die einzige Minute, die an diesem Nachmittag gestört hat.
Der Mensch der Etappe
Bruder Thomas, kurzfristig eingewechselt und zur Halbzeit wieder raus.
Die Reisebilanz
Großhansdorf – Weserstadion – Großhansdorf. Nach Etappe 01 die unkomplizierteste Variante, die es gibt.
Zahlen zur Etappe

Statistik-Kasten

Offizielle Etappe02 / 34
SpielWerder Bremen – RB Leipzig
Ergebnis3:1 (1:0)
Lieblingsspieler der EtappeMarco Grüll
Tore1:0 Dinkçi (4.), 2:0 Füllkrug (68.), 3:0 Grüll (80.), 3:1 Baku (90.+5)
Zuschauer39.713 (ausverkauft)
SchiedsrichterBenjamin Brand
StadionWeserstadion, Bremen
PlatzBusiness-Bereich, Block N2, Reihe 10
Erster Saisonsiegja
ReisebilanzGroßhansdorf – Weserstadion – Großhansdorf, mit dem Auto
BegleitungBruder Thomas und Neffe Jonathan (kurzfristig für die Mutter eingesprungen), zwei weitere Neffen auf anderen Plätzen