Käsekuchen im Hasekasten
1. FSV Mainz 05 – SV Werder Bremen 2:3
Tagestour mit Umstieg in Frankfurt Süd
Diesmal eine Tagestour: morgens mit dem Zug Richtung Süden, abends wieder zurück. Ausgestiegen bin ich nicht in Mainz, sondern in Frankfurt Süd. Dort hat mich Jan-Christian Müller eingesammelt und mit zum Stadion genommen. ☀️🚆
Jan ist Journalist bei der Frankfurter Rundschau und musste heute arbeiten. Und Jan ist für mich nicht irgendein Journalist. Im März 2004 hat er in der FR über Transfermarkt geschrieben, ganzseitig, unter der Überschrift „Der Herr der Gerüchte“. Für eine Seite, die damals noch das Hobby von ein paar Fußballverrückten war, kam das einem Ritterschlag gleich.
Von Haustür zu Haustür war ich übrigens von 7:00 Uhr morgens bis 1:00 Uhr nachts unterwegs – 18 Stunden für gut 430 Kilometer Luftlinie. Fast ein Heimspiel…. 😄
Zahlen, die alle gegen uns waren
Auf der Fahrt konnte ich mal wieder mit Zahlen und Statistiken glänzen. Mein „Angeberpapier“ hatte ich dabei: Quoten von acht Buchmachern, Modelle, Expertentipps. Das Problem war nur, dass die Zahlen alle Mainz als Gewinner gesehen haben. Der Markt gab Mainz 55 Prozent, Werder 22. Und von zehn Expertentipps hat kein einziger auf einen Werder-Sieg gesetzt, fünfmal stand dort ein 2:1 für Mainz.
Also war ich eher „zurückhaltend“ und habe auf der Fahrt nicht von Europa geträumt. Mein Kopf war bei einer 2:1-Niederlage, mein Bauch hat auf ein Unentschieden gehofft…. 😅
Im Hasekasten
Am Stadion hat Jan mich in den „Hasekasten“ geführt, wo er entgegen dem allgemeinen Trend Käsekuchen und Kaffee bestellte. 🍰☕ Grün-weiße Schals waren dort allerdings nicht erlaubt, also habe ich meine Jacke geschlossen und mein Schal ist im Rucksack verschwunden.
Um so fanfreundlicher waren die Gespräche mit den Mainzern, die mit ihren Tipps eher zurückhaltend-optimistisch waren. Zu uns gesellte sich auch Daniel Meuren, Journalist wie Jan und seit 2024 im Aufsichtsrat von Mainz 05, und neben der Spielanalyse waren natürlich wieder Daten das spannende Thema. Da war ich in meinem Element. 🤓
Michael und ein Platz weit draußen
Vor dem Stadion traf ich dann meinen Freund Michael Amsinck, ehemals Geschäftsführer der SportA, der Sportrechteagentur von ARD und ZDF – und ein großer Werder-Fan. 💚
Wir haben dann auch die gleiche emotionale Fankurve durchlebt: erst die Euphorie, so überraschend 0:2 zu führen, dann der Anschlusstreffer, der vielleicht sogar Böses ahnen ließ, das befreiende 1:3, das ernüchternde 2:3 und schließlich die nervöse Schlussphase. Lange diskutiert haben wir auch die Umstellung auf die Fünferkette.
Und wir sehen uns bald wieder – nicht nur zu unserem traditionellen, jährlichen Kohl-und-Pinkel-Essen in einer sehr illustren Runde von Fußballexperten, sondern auch zum Nordderby Werder – HSV. 🥬
Bei bestem Wetter hatte ich diesmal Plätze, die zwar noch an der Hauptgerade lagen, aber doch schon weit weg von der Mittellinie, sogar hinter der Eckfahne. Wieder einmal eine andere Perspektive…. Abseits konnte man von dort nicht beurteilen. Dafür hatte ich einen sehr guten Blick auf die beiden Elfmeter von Niclas Füllkrug…. wenn ich nicht meinen Bier-Fail gehabt hätte. Was nützt die beste Sicht, wenn man nicht auf den Platz schaut…. 😄
Bier statt Elfmeter
Den ersten Elfmeter in der 7. Minute habe ich gesehen. Den zweiten in der 25. Minute nicht – da stand ich am Bierstand. 🍺
Man sollte meinen, wer eine eigene Bier-App hat, kennt sich mit dem richtigen Timing fürs Bier aus. Offensichtlich nicht. In Beerhop gibt es Extrapunkte für Biere, die noch keiner eingetragen hat – für ein Bier, das mich einen Füllkrug-Elfmeter gekostet hat, müsste es eigentlich Punktabzug geben. 🙈
Eigentlich darf man so etwas niemandem erzählen…. jetzt steht es im Internet. Das Foto mit dem Becher in der Hand und dem 0:2 auf der Anzeigetafel ist mein Beweisstück.
Die Choreo – zur Hälfte
Wegen der wirklich sehr am Rand liegenden Plätze konnte ich auch die Choreo nur so halb sehen. Glücklicherweise hat mir Jan per WhatsApp noch Bilder geschickt, wie es aussah, wenn man gute Plätze gehabt hätte: das grün-weiße „Werder – Im Norden die Nr. 1“ und „Ein Leben für Grün-Weiß“ im Gästeblock. Gegenüber hielten die Mainzer mit „Stadt und Verein für immer im Herzen“ dagegen.
Bis zur 90.+5 spannend
Matchwinner war, wenn überhaupt, wieder mal Niclas Füllkrug, der seine beiden Elfmeter sehr nervenstark verwandelt hat. Arthur und Marco Grüll hatten sie herausgeholt. Füllkrug hat damit im sechsten Ligaspiel in Serie getroffen.
Eigentlich war es aber die ganze Mannschaft. Sie hat einfach gezeigt, wie sehr hier jeder für jeden kämpft und sich einsetzt. Das 0:2 nach 25 Minuten war, wie sich gezeigt hat, noch keine Entscheidung: Caci köpfte in der 33. Minute den Anschluss, Ludovit Reis stellte in der 61. auf 3:1, und nur zwei Minuten später machte Jae-Sung Lee wieder das 2:3. Danach hielt Karl Hein gegen Amiri, und Dinkci hätte in der Nachspielzeit noch alles klarmachen können. So blieb es bis zur 90.+5 spannend.
Fazit
Ich war so happy. Vor dem Spiel war mein Kopf bei einer Niederlage und mein Bauch bei einem Unentschieden – und jetzt ein Auswärtssieg, der erste in dieser Saison. Und dazu Platz sechs in der Tabelle. Das ist ein Europapokalplatz. 🏆 Vor einer Woche habe ich noch vorsichtig „Europapokal“ gesungen, jetzt steht es in der Tabelle.
Und insgesamt macht es gerade einfach so viel Spaß, Werder zuzuschauen. 💚
34 Spiele. Eine Saison. Wieder nur Fan.
Die drei Formate dieser Etappe
- Die Zahl der Etappe
- 0 – so viele von zehn Experten haben auf einen Werder-Sieg getippt.
- Der Mensch der Etappe
- Jan-Christian Müller, Chauffeur, Käsekuchen-Rebell und Choreo-Fotograf.
- Die Reisebilanz
- 18 Stunden von Haustür zu Haustür, gut 430 Kilometer Luftlinie – fast ein Heimspiel.
