Platz fünf – fehlen nur noch 15 Tore
SV Werder Bremen – TSG Hoffenheim 2:0
Mit Angeberpapier auf dem Stammplatz
Diesmal ein Heimspiel, also mit dem Auto aus Großhansdorf und wieder auf meinem Stammplatz im Weserstadion. Und weil ich frühzeitig da war, hatte ich reichlich Gelegenheit, mein „Angeberpapier“ unters Volk zu bringen.
Die Zahlen darin waren eindeutig. Hoffenheim kommt über unsere linke Seite, schlägt Flanken ohne Ende und gewinnt in der Luft mehr Duelle als jede andere Mannschaft der Liga. Werder war für die Buchmacher zu Hause Außenseiter, obwohl wir vier Plätze vor Hoffenheim standen. Und natürlich musste Werder unbedingt mit Fünferkette spielen, das hatte ich vorher sogar im Transfermarkt-Forum so aufgeschrieben.
Kurz: Ich konnte jedem erzählen und mit Zahlen belegen, dass wir chancenlos sind. 🤓
Einen Hoffnungsschimmer gab es dann doch. Bambasé Conté fiel bei Hoffenheim aus, ausgerechnet einer von denen, die mir auf unserer linken Seite Sorgen gemacht hatten. Also habe ich meinen Tipp im Stadion noch einmal angepasst: Der Kopf sagte eine klare 2:4-Niederlage voraus, der Bauch ein 2:0.
Das ist ja die Lieblingsfrage im Stadion: „Und, was glaubst Du?“ Die meisten rechnen mit einem Ergebnis als Antwort…. und nicht mit einem langen statistischen Vortrag samt anschließendem Kopf-und-Bauch-Tipp. 😄
Luka, Anna und die grün-weiße Staffelübergabe
Begleitet haben mich diesmal mein Sohn Luka und seine Freundin Anna. 💚
Mit Luka hatte ich herrliche Diskussionen, weil er viele Spielszenen und Leistungen ganz anders sieht als ich. Aber in den grün-weißen Farben sind wir vereint – und das darf ich ruhig als erziehungstechnische Meisterleistung verbuchen. Luka ist nämlich in Hamburg aufgewachsen, und in seinem Umfeld gab es sehr viele HSV- und St.-Pauli-Fans. Ganz so schwer war es allerdings auch nicht, denn seine Kindheit fiel in Werders erfolgreichste Zeit Anfang der 2000er. Da hat der Fußball ein bisschen mitgeholfen.
Und auch Luka hat alles richtig gemacht, wenn es um die Weitergabe der Farben geht: Anna trug nicht nur einen grün-weißen Schal, sie hat auch die Werder-Hymne mitgesungen. Die nächste Generation ist also gesichert…. 😉
Luka gegen meine Aura
Die größte Herausforderung des Tages waren allerdings Omen und Aberglaube. Die letzten vier Spiele, die Luka live im Stadion gesehen hat, hat Werder verloren – und dabei kein einziges Tor geschossen.
Und daneben sitze ich, mit meiner Aura, dass meine #34erSaison ganz nebenbei der beste Werder-Saisonstart seit vielen Jahren ist. Aberglaube gegen Aberglaube also. Ich will nicht sagen, wer gewonnen hat…. aber Luka darf wiederkommen. 🍀
Geburtstagschoreo zum Nachfeiern – von unten
Zum Anpfiff gab es noch einmal eine große Choreo zum 100. Geburtstag des Weserstadions, sozusagen zum Nachfeiern. Für uns auf der Nordtribüne hieß das: Die ganze Nord verschwand unter einem riesigen Banner. 🎂
Die Anzeigetafel hatte vorher schon gewarnt, es werde zeitweise zu einer Überdeckung der Sichtbereiche durch Blockfahnen kommen. Stimmt. Von der Choreo habe ich deshalb vor allem die Rückseite gesehen, grün-weiß von unten.
Erst kurz nach dem Anpfiff wurde das Banner wieder heruntergezogen, und wir hatten wieder Blick aufs Spielfeld. Über der Ostkurve hing ihr Teil der Choreo noch eine Weile – das ist mein einziges Foto von der richtigen Seite.
Erste Halbzeit: Mein Angeberpapier und die Wirklichkeit
In der ersten Halbzeit zeigte sich schnell, dass vieles aus meinem Angeberpapier nicht passte. Keine überragende Kopfballstärke der Hoffenheimer, kein übermäßiger Druck über unsere linke Seite und auch kein torreiches Spiel. Und Werder spielte mit Viererkette. Ich hätte es anders gemacht – Daniel Thioune zum Glück nicht. 🙈
Zur Pause stand es 0:0, das gab es zuletzt in Dortmund.
Das Highlight der ersten Halbzeit war eine Rettungsaktion meines Lieblingsspielers des Tages: Kurz vor der Pause klärte Amos Pieper einen Kopfball von Hložek auf der Linie. Überhaupt hat Pieper das ganze Spiel über das verkörpert, was diese Mannschaft gerade ausmacht. Er wirft sich in jeden Ball, und jeder rennt für jeden. Werder-Tugenden, die wir lange vermisst haben.
Lieblingsspieler der Etappe also: Amos Pieper.
Zweite Halbzeit: Dinkçi kann Fußball spielen
In der zweiten Halbzeit wurde Werder immer dominanter. Und natürlich war es Niclas Füllkrug, der in der 57. Minute mit dem 1:0 für Euphorie im Stadion sorgte, nach Vorlage von Torwart Karl Hein, der übrigens auch eine große Partie gespielt hat. Lücke hat damit im siebten Ligaspiel in Folge getroffen und den Werder-Rekord von Rudi Völler aus der Saison 1982/83 eingestellt. 📊
Bei meiner Live-Analyse auf der Tribüne fiel eigentlich nur einer ab: Eren Dinkçi, nach einer Viertelstunde für den verletzten Mitchell Weiser gekommen. Und da hatte ich sogar mal Konsens mit Luka.
Dann kam die 82. Minute. Regeer erobert den Ball, Grüll legt ab – wieder einmal Grüll – und Dinkçi schlenzt zum 2:0 ins Tor. Unser Vordermann drehte sich daraufhin zu uns um und sagte nur: „Seht Ihr, er kann Fußball spielen.“
Er hatte recht. Stürmer müssen Tore schießen, und Dinkçi hat geliefert. Danke, Dinkçi. Das Tor wurde dann auch entsprechend gefeiert. ⚽
2:0 also. Genau das hatte mein Bauch getippt, auf das Tor genau. Der Kopf mit seinem 2:4 darf sich beim nächsten Mal hinten anstellen. 😄
Platz fünf
Zum Schluss stand die Mannschaft noch lange vor der Kurve und wurde zu Recht gefeiert. Erster Sieg zu Hause gegen Hoffenheim seit Jahren, das erste Spiel der Saison ohne Gegentor.
Und dann kam die Tabelle auf die Anzeigetafel. Werder auf Platz fünf. 💚
Was dann im Stadion los war, kann ich kaum beschreiben. Gefeiert wurde, als hätten wir gerade einen Titel geholt, und ich habe mitgefeiert, als hätte ich nie ein Angeberpapier geschrieben. Platz fünf nach acht Spieltagen – das hatten wir lange nicht.
Rückfahrt mit Summen
Auf der Rückfahrt nach Großhansdorf habe ich dann die ganze Zeit vor mich hin gesummt: „Deutscher Meister wird nur der SVW“. 🎶
Und am Abend spielten Bayern und Dortmund auch noch unentschieden. Ich habe natürlich sofort nachgerechnet: Theoretisch wäre beim nächsten Spiel gegen Stuttgart sogar die Tabellenführung drin. Alle Mannschaften über uns müssten „nur“ verlieren, und Werder müsste mit 15 Toren Unterschied gewinnen…. mehr nicht. 😄
Jetzt muss ich nur noch meine Statistiken und Daten so drehen, dass das auch realistisch wird.
Fazit
Mein Kopf hat 2:4 getippt, mein Bauch 2:0. Vielleicht sollte ich das Angeberpapier künftig umdrehen: vorne der Bauch, hinten die Zahlen.
Lukas Fluch ist gebrochen, Werder steht auf Platz fünf, und diese Mannschaft zerreißt sich gerade für jeden Ball. So darf es gern weitergehen – meinetwegen auch mit etwas weniger als 15 Toren Unterschied.
34 Spiele. Eine Saison. Wieder nur Fan.
Die Formate dieser Etappe
- Die Zahl der Etappe
- 5 – Werders Tabellenplatz nach acht Spieltagen.
- Der Mensch der Etappe
- Anna – grün-weißer Schal, Werder-Hymne, und das als Freundin eines Hamburger Jungs in Grün-Weiß.
